Mallorca 312

Mallorca 312

Anreise

Nach über einem halben Jahr fokussiertem Training ging es Donnerstagmorgen zum Flughafen nach Hannover. Von dort sollte mich der Flieger nach Mallorca bringen. Es war mein erster Flug mit dem Rad im Gepäck. Eine leichte Anspannung machte sich breit. Wird alles klappen?? Kommt das Rad heile an??

Gegen 5 Uhr saßen wir dann auch im Flieger. Das Gepäck wurde problemlos am Sperrgepäckschalter abgegeben. Erste Vorfreude kam auf.

In Mallorca angekommen ging es direkt zum Band für das Sperrgepäck. Die Minuten vergingen. Kein Rad. Da wurde uns mitgeteilt, dass das Gepäck eines von 50 Gepäckstücken war, das es nicht mit auf die Insel geschafft hat. Wir sollten uns an den Lost-And-Found-Schalter wenden und ein Formular ausfüllen. Bei Abgabe des Formulars wurde uns gesagt, dass das Gepäck in den nächsten 1-3 Tagen persönlich zugestellt wird.

Das Rennen ist aber am Samstag, also in 2 Tagen. Ab diesem Zeitpunkt war Streß angesagt. Telefonate mit der Fluggesellschaft Eurowings blieben erfolgslos. Auch über Twitter konnte ich nichts erreichen. Es gab keinerlei Information zum Verbleib meines Rads.
(Erst am Abend nach Rücksprache mit dem Flughafen Hannover gab es leichte Entwarnung.)

Dennoch musste es weitergehen. Wir fuhren also direkt nach Playa de Muro zur Startnummernausgabe. Aber ein richtiges Feeling kam nicht auf, immer den Gedanken über das Rad im Hinterkopf. Ein wenig machte ich mich mit dem Gedanken „DNF“ vertraut und sah die ganze Sache entspannter.

Am nächsten Tag kam dann doch der Anruf vom Flughafen Palma. Das Rad sei mit der ersten Maschine gekommen und wird im Laufe das Tages zugestellt. Da wir jedoch eine einsame Finca gemietet hatten, haben wir einen Treffpunkt mit dem Gepäckboten ausgemacht. Es würde sich 20 Minuten vorher melden.

Gegen 17 Uhr klingelte dann endlich das Telefon und gegen 17:30 Uhr (spanische 20 Minuten ;-)) hatte ich dann alles zusammen. 11 Stunden vor dem Start hatte ich dann auch mein Rad rennbereit.

Renntag

Durch den Streß am Vortag kam erst am nächsten morgen etwas Rennfeeling auf. Gegen 6:15 Uhr war ich im Startbereich. Etwas zu spät, wie sich später herausstellte.

Es war noch dunkel und die Temperaturen waren im einstelligen Bereich. Arschkalt. Rennstart war um Punkt 7 Uhr. Durch meine Position in der Startaufstellung kam ich erst gegen 7:30 Uhr über die Startlinie. Die erste halbe Stunde war weg. Ärgerlich, da es nur Bruttozeiten gibt. Und somit die halbe Stunde am Ende fehlen könnte.

Startaufstellung

Wir rollten in einem mittleren Tempo in Richtung Pollenca. Jetzt war das Rennfeeling da. Die abgesperrten Straßen, die Begleitfahrzeuge und die Zuschauer an der Strecke taten ihr übriges.

Am großen Kreisel in Pollenca, vor Anstieg zum Coll de Femenia wurde das Feld noch einmal gestoppt. Zwei Begleitmotorräder mussten nach einem Unfall notärztlich versorgt werden. Nach weiteren 5 – 10 Minuten ging es dann weiter.

Der erste Anstieg (7,6km / 6%) war zum einrollen. Die Beine spielten mit und ich hatte jetzt richtig Bock. Für die 7,6km brauchte ich etwas mehr als 30 Minuten bei durchschnittlichen 306 Watt. Jetzt entspannte sich auch das Fahrerfeld etwas und die ersten fielen zurück. Es gab mehr Platz zum überholen.

Nach einer kurzen Abfahrt ging es dann über Lluc und den Gorg Blau auf den Puig Major, dem höchsten Berg der Insel. Am Gorg Blau gab es auch die erste Verpflegung. Nach dem Start hatte ich mich auf ordentlich Wartezeit eingestellt. Doch die blieb aus. Nach ein paar Minuten ging es mit gefüllten Trinkflaschen weiter.

Die nächsten Kilometer flogen nur so dahin. Auf der Abfahrt vom Puig Major fing mein Hinterrad plötzlich an zu vibrieren und heulte auf wie ein Schiffshorn. Leider konnte das Problem nicht direkt behoben werden. Es ging in gedrosseltem Tempo in die Abfahrten. Kein Risiko eingehen. Nach Soller, dem Coll den Bleda (4km / 5%) und dem Coll de Sa Pedrissa (6,2km / 6%) waren meine Beine immernoch Fit.

Kurz hinter Soller

Ich überlegte kurz die 225km Runde anzureißen. Leider erreichte ich den Coll d’en Claret (3,7km / 5%) erst 2 Minuten vor dem Zeitlimit. Ohne die Wartezeit am Start, wäre die 225km Runde definitiv dringewesen. So musste ich mich mit der „kleinen Runde“ zufriedengeben. Ein mögliches „DNF“ durch die Cut-Off-Zeit kam nicht in Frage.

Nach der Abfahrt schloß ich mich einer Gruppe von 12-15 Leidesgenossen an. Wir flogen mit einem 36er Schnitt über die Insel. Dem Tempo musste ich nach knapp 20 Kilometern meinen Tribut zollen und fiel hinten raus.

Ab da gab es kleinere Gruppen, die jedoch immer wieder auseinanderfielen. Die letzten 60km wurden somit zu einer Fahrt gegen den Wind und die Zeit. Meine Beine hatten sich wieder erholt und ich konnte noch einmal alles rausholen.

35km vor dem Ziel gab es in Llosetta die letzte Verpflegungsstation. Hier fehlte absolut nichts. Von Energieriegel, Powergels, Cola über Bananen bis hin zu Kuchen, Brot und weiteren Leckereien.

Die Cola gab mir noch einmal die nötige Kraft für den Soloritt zurück nach Playa de Muro. Es ging bergauf und bergab.

Auf der Überholspur

Für einige Kilometer fand ich noch den Anschluss an eine Gruppe. Vermutlich Teilnehmer der 225er Runde. Ich konnte mich im Windschatten ein wenig ausruhen. Leider musste ich auch die Gruppe am Ende ziehen lassen. Blieb jedoch bis ins Ziel in Sichtweite.

Letzte Gruppe

Die letzten Kilometer wurden erneut zu einem Soloritt. Die einen waren zu langsam, die anderen zu schnell.

Auf den letzten Kilometern hätte es fast noch gekracht. Etwas ausgelaugt vom letzten Gegenwindstück (Ma-3433 / Kraftwerk) ließ die Konzentration auf der Abfahrt rein nach Playa de Muro etwas nach und ich übersah eine Bremsschwelle. Der letzte Adrenalienstoß.

Mit einer Nettozeit von 6:41:09 Std. (Brutto: 7:05:11 Stunden) rollte ich glücklich, aber auch etwas unzufrieden über die Ziellinie.

Es war deutlich mehr drin. Die Rechnung ist noch nicht beglichen.

Ein großer Dank geht auch an Balear Reise. Die mir angeboten haben, trotz enormer Nachfrage, ein Leihrad zur Verfügung zu stellen.

Der Link zur Fahrt kann gerne bei mir angefragt werden 🙂

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